Die Ausreise
Die ersten Wochen in Bolivien
Benjamin Freytag
9/12/2024


Hallo Freunde,
Herzlich Willkommen zu meinem ersten Rundbrief. Inzwischen bin ich seit knapp über 2 Wochen in Bolivien und möchte mit euch schon einmal meine ersten Eindrücke teilen.
Los ging es am 27. August. Wir sind mit 5 Freiwilligen von Düsseldorf nach Madrid und dann weiter nach Cochabamba geflogen.
Insgesamt waren wir knapp 24 Stunden unterwegs. Um 3 Uhr Nachts Ortszeit wurden wir dann von Rubén, einem unserer Ansprechpartner, in eine der Freiwilligenwohnungen gebracht, um uns ein wenig von der langen Reise auszuruhen.


Kurz ein paar Informationen zu den anderen Freiwilligen hier. Es gibt in Cochabamba dieses Jahr vier Freiwillige der Organisation „Franziskaner Helfen“ in Cochabamba. Sie wohnen jeweils zu zweit in einer Wohnung und haben auch hier ihre Projekte.
Da wir zusammen unsere Vorbereitungsseminare hatten (meine Organisation sind ja die Steyler Missionare), kannten wir uns schon und haben die ersten Tage auch miteinander verbracht.
Mein Projekt liegt allerdings in San Ignacio; im Tiefland und ca. 15 Stunden mit dem Auto entfernt. Daher bin ich nur für ca. 3 Wochen in Cochabamba, um hier eine Sprachschule zu besuchen. So lange lebe ich hier mit drei Padres und einer anderen Freiwilligen im bolivianischen Haupthaus der Steyler Missionare. Danach geht es erst richtig los.


In den ersten Tagen wurden wir vom Ansprechpartner der Franziskaner, Rubén, durch die Stadt geführt. Er hat uns die wichtigsten Orte im Zentrum gezeigt und uns damit eine erste Orientierung in der Stadt gegeben. Das erste typische Gericht, das wir gegessen haben, war Silpancho. Es ist ein Gericht, das gerade in Cochabamba sehr bekannt ist und besteht aus Reis, einem dünnen Stück Fleisch und Spiegeleiern. Sehr lecker.
Die ersten Tage


Ein weiteres Highlight war der Besuch der Cancha. Das ist ein unglaublich großer Markt, auf dem es wirklich alles gibt. Von Kleidung bis zu Obst und Gemüse. Von Möbeln bis zu Instrumenten. Man findet dort ALLES. Die anderen Freiwilligen haben sich dort einige Möbel für ihre Wohnungen gekauft und eine Freiwillige auch eine Gitarre (das habe ich auch noch vor). Neben Märkten gibt es aber auch ganz normale Supermärkte, in denen man auch die uns bekannten Importprodukte wie z.B. Nutella, Coca Cola oder auch Haribo finden kann. Die Supermärkte und vor allem die Importprodukte sind aber deutlich teurer als auf dem Markt.


Das Essen
Natürlich habe ich hier noch lange nicht alles probieren können, aber ich kann von meinem ersten Eindruck berichten. Allgemein dazu muss ich vielleicht vorher sagen, dass es hier etwas komplett anderes ist, essen zu gehen. Während ich mir in Deutschland ein schönes Restaurant aussuche, oder mir an einem Imbissstand eine Bratwurst oder eine Pizza besorge, ist es hier (für mich) ein bisschen komplizierter.
Gerade in den ersten Wochen und Monaten muss man ein wenig aufpassen, was man wo isst. Es gibt hier für einen ungeschulten europäischen Magen viele Gefahren, z.B. Salmonellen oder andere Viren und Bakterien, die unser Körper einfach nicht kennt. Deswegen halten wir uns bisher von Imbissständen fern, auch wenn mich manche Stände wirklich sehr interessieren.
An einem Sonntag sind wir mit den Padres die Straße entlanggelaufen, um uns ein Mittagessen zu suchen. Anstelle von einem Restaurant, was ich erwartet habe, aßen wir dann aber einfach bei einer Privatperson vor der Garage, die ihr Essen öffentlich angeboten und verkauft hat. Für mich sehr ungewohnt, und ich denke, dass ich mich daran auch nicht so schnell gewöhnen werden kann.




Dort gab es das Fricasé de chancho. Eine Suppe mit einer speziellen Art von Mais, einer schwarzen Kartoffel und (ich glaube) Schweinefleisch. Ich hoffe, dass diese Angaben richtig sind, denn so gut kenne ich mich bisher nicht aus. Auch wenn es ein wenig gewöhnungsbedürftig war, hat es ganz gut geschmeckt.
Was für mich aber teilweise noch gewöhnungsbedürftiger ist, als das Essen, sind die Getränke, vor allem die sogenannten „Refrescos“. Eigentlich ist hier jedes Getränk, außer Wasser super süß. Und eigentlich mag ich süße Getränke sehr, aber tatsächlich sind mir die Refrescos hier zu süß, daher bleibe ich meistens bei meinem Wasser (was mir mein Blutzucker wahrscheinlich auch dankt). In einigen Getränken sind auch ganze Früchte mit drin. Auch daran muss ich mich erstmal gewöhnen. Als ich das das erste Mal gesehen habe, dachte ich, das wäre das Herz von irgendeinem Tier.


Also gerade Ernährungsmäßig kann es hier echt spannend sein, wenn man sich drauf einlässt. Es gibt aber natürlich auch ganz normale Pizzerien und auch einen Subway, den ich natürlich schon getestet habe (schmeckt fast genauso wie in Deutschland).
Der Alltag
Der aktuelle Alltag ist noch echt das unspektakulärste hier in Cochabamba. Wir haben jeweils Vormittags und Nachmittags eine Unterrichsstunde im Einzelunterricht, um unser Spanisch zu trainieren. Den Rest des Tages, haben wir Freizeit und können unseren Alltag selbst gestalten. Das ist teilweise natürlich sehr schön, andererseits auch etwas langweilig. Ich habe die Zeit bisher dafür genutzt, um die Stadt zu erkunden, mal meine Drohne steigen zu lassen, mit Freunden in Deutschland zu telefonieren, aber ehrlich gesagt, habe ich sehr viel Zeit auch einfach nur ein Buch gelesen, oder Netflix geschaut.
Da wir etwas weiter außerhalb vom Zentrum wohnen, nutzen wir kleine Busse, sie heißen „Trufi“, um in die Stadt zu kommen. Eine Fahrt, egal wie weit, kostet 2 Bolivianos. Umgerechnet ca. 30 Cent. Sie haben keine Bushaltestellen, sondern werden einfach rangewunken, wenn man sie braucht. Das System klappt sehr gut, es ist nur nicht immer planbar, wann das nächste Trufi kommt. Normalerweise wartet man aber nicht länger als 10 Minuten.

